Besichtigung
und
Rundgang
Die
sieben Lager des Unternehmens WÜSTE verschwanden in der
Nachkriegszeit nach und nach von der Bildfläche.
Wo sich die
Baustelle des Wüste 10 Werkes befand, wo das Kommando Zepfenhan
sich abschinden musste für eine letztlich halbfertig stehen
gebliebene Schieferölfabrik, dort wächst heute ein dichter
Wald, der Eckerwald, in den Fünfzigerjahren gepflanzt. Aber eine
Reihe von Ruinen erinnert noch an die einstige Kriegsmaschine.
Betonklötze, eingelassen in ausgehobene Erdmulden, Wasserbecken
, Backsteingemäuer, Fundamente, Ständer und Schächte
im Schatten der Buchen, Fichten und Erlen verleihen dem Wald eine
ganz eigentümliche Atmosphäre.
Ende der
Achtzigerjahre machte sich die INITIATIVE GEDENKSTÄTTE ECKERWALD
zur Aufgabe, in diesem nahezu unzugänglichen Gelände einen
Gedenkpfad anzulegen, auf dem man heute nicht nur gut zu den Ruinen
gelangt. Auch eine Dauerausstellung vermittelt dem Besucher die
nötigen Informationen über die Geschichte dieses Ortes. Das
Mahnmal des "geschundenen Häftlings", eine
Bronzeskulptur des Rottweiler Bildhauers Siegfried Haas, vermag das
Nachdenken zu vertiefen.
Vom Lager Schörzingen, das bis
Anfang der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts mit seinen
Baracken noch als kleine Wohnsiedlung diente, ist heute nichts mehr
zu sehen; ein Gewerbegebiet breitet sich über dem ehemaligen
Lagergelände aus. Nur das Lager Schömberg steht noch etwa
zur Hälfte. Es ging nach dem Krieg in Privatbesitz über.
Zum Teil wurden Wohnungen eingerichtet, zum Teil dient es als
Schuppen. Bisher hat sich keine Möglichkeit ergeben, hier einen
Gedenkort einzurichten.
Von den zehn WÜSTE-Werken ist im
Eckerwald (Werk WÜSTE 10) noch am meisten übriggeblieben.
Und er ist frei zugänglich, das Gelände gehört der
Gemeinde Schömberg-Schörzingen, ein kleinerer Teil der
Gemeinde Wellendingen.
Die
Idee zu einem Gedenkpfad im Eckerwald wurde im Mai 1985 –
anlässlich einer Erinnerungsfeier an das Ende des Zweiten
Weltkriegs - , also vierzig Jahre nach dem Geschehen, geboren. An den
zerfallenden Anlagen der Werke hatten in der unmittelbaren
Nachkriegszeit allenfalls Schrotthändler ein Interesse. Im
Übrigen wurde Wald darüber gepflanzt.
Im Februar 1987
wurde in Rottweil die Initiative Gedenkstätte Eckerwald e.V.
gegründet. Und im darauffolgenden Sommer begannen die
Arbeiten im Eckerwald, die Gemeinde hatte „grünes Licht“
gegeben und auch Unterstützung zugesagt.
Zur Finanzierung des Gedenkpfades trug eine Reihe von privaten Spendern bei, aber auch durch öffentliche Zuschüsse wurde das Projekt immer wieder unterstützt. Stellvertretend für die vielen Spender seien die Freunde von der „Amical des anciens prisonniers et des familles des disparus de Natzweiler-Struthof / Luxembourg“ genannt. Von Anfang an unterstützten sie die Initiative immer wieder in vielerlei Hinsicht, nicht zuletzt auch finanziell.
Bei
der Anlegung des Gedenkpfades halfen im Rahmen eines Workcamps des
SCI Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern mit.
Ein zweites Workcamp fand im Sommer 1992 statt, diesmal in
Zusammenarbeit mit der Aktion Sühnezeichen /
Friedensdienste.
Die Einweihung der Gedenkstätte fand am 23.
April 1989 statt. Dabei wurde die Bronzeplastik eines
niedergedrückten, nackten und an den Handgelenken gefesselten
Häftlings, entworfen und gestaltet von dem Rottweiler Bildhauer
Siegfried Haas, ihrer Bestimmung übergeben („Mahnmal im
Eckerwald“).
Zur Erinnerung an die Befreiung der WÜSTE-Lager im April 1945 finden an diesem Ort alljährlich Ende April/Anfang Mai Gedenkfeiern statt. Die Initiative Eckerwald lädt dazu auch überlebende ehemalige Häftlinge und deren Angehörige ein. Aus den Begegnungen mit diesen Menschen aus Frankreich, Luxemburg, Polen und Norwegen entstanden bleibende Freundschaften. (Siehe dazu auch die Links „Überlebende berichten“ und „Die Initiative Gedenkstätte Eckerwald e.V.“
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In der Ruine der ehemaligen Gasreinigungsanlage hat die Initiative eine Dokumentation eingerichtet. In zehn wetterfesten Schaukästen wird in Wort und Bild über die Geschehnisse des Unternehmens WÜSTE informiert. Drei weitere Tafeln wurden entlang des Gedenkpfades aufgestellt.


1) Unterstandshütte am Eingang zum Gedenkpfad mit einem Plan und ersten
Informationen
(2) Dokumentation (ehemalige Gasreinigung)
(3) Holzstelen von Ulrich Schultheiß (ehemalige Gebläseanlage)
(4) Mahnmal (Bronzeplastik „Häftling“), Platz für Gedenkfeiern
(5) Bäume der Nationen (Für jedes Land, aus dem Häftlinge kamen, ein
Bäumchen)
(6) Bronzeplastik „Macht ist Ohnmacht“ (Kaminsockel einer Restgas-
Verbrennungsanlage)

Die
Ruinen der einzelnen Anlagen (auf dem Plan rot), die folgende
Funktionen hatten: Kondensation, Elektrische Gasreinigung, Trennung
der einzelnen Bestandteile (Öl, Wasser und Schlamm),
Gebläseanlage, Verbrennung des Restgases, Lagerbehälter und
–becken.
Folgeseite: Hier finden Sie weitere Fotografien von der Gedenkstätte